Rathaus Aktuell
Möglichkeiten und Grenzen des Schutzes vor Starkregen
Welche Gebiete in Affalterbach sind bei Starkregen besonders gefährdet? Und wie können Gemeinde, Hauseigentümer und Landwirte die Schäden zumindest reduzieren? Darum ging es beim Infoabend am Montag, 16. März 2026, in der Kelter.
Vor rund 50 Besuchern stellte Armin Binder vom Ingenieurbüro Winkler und Partner die Ergebnisse des kommunalen Starkregenrisiko-Managements vor. Anlass für diese Untersuchung, die das Land mit 70 Prozent fördert, war laut Bürgermeister Steffen Döttinger zuletzt das Unwetter, das im Sommer 2024 in Wolfsölden, Birkhau und Teilen von Affalterbach große Schäden hinterließ.
Das Ingenieurbüro hat Gefahrenkarten mit Ausdehnung und Tiefe der Überflutung bei seltenen, außergewöhnlichen und extremen Starkregenereignissen mit Niederschlagsmengen von 40 bis 128 Millimetern pro Stunde erstellt. „So große Kanäle kann niemand bauen“, verdeutlichte Armin Binder, um welche Wassermassen es hier geht. Eine Kanalisation sei in der Regel auf Niederschläge ausgelegt, wie sie statistisch alle zwei Jahre einmal vorkommen. Anders als bei einem Hochwasser, das von einem Gewässer ausgeht, gebe es bei Starkregen zudem kaum Vorlaufzeit.
Für Wolfsölden wäre laut Armin Binder ein Regenrückhaltebecken im Gewann Stauch die mit Abstand beste Lösung. Doch dieses kann die Gemeinde aufgrund von gescheiterten Grundstücksverhandlungen nicht umsetzen. Daher soll nun für rund 40.000 Euro näher untersucht werden, wie die Entwässerung der Gräben vom Stauch und vom Kirchenwegle optimiert werden kann. Die Entscheidung steht in der Gemeinderatssitzung am 19. März an.
Auch der Bereich Brunnenstraße/Hochdorfer Straße/Wiesengrund in Affalterbach ist besonders gefährdet. Als Maßnahmen außerorts empfiehlt der Ingenieur Ackerrandstreifen und Schlammfangmulden. Landwirte können auch durch die Art der Bewirtschaftung und Bodenbearbeitung beeinflussen, wie viel Wasser Ackerflächen aufnehmen.
Zudem ging es um die Pflicht zur Eigenvorsorge. Jeder sollte laut Armin Binder sicherstellen, dass sein Gebäude gegen Starkregenschäden versichert ist und über einen Rückstauschutz gegen Überflutung aus dem Kanal verfügt. Zudem solle man keine gefährlichen Stoffe wie Heizöl oder teuren Dinge im Untergeschoss lagern. Durch Schutzmaßnahmen dürfe anderen kein Nachteil entstehen. Umbauten direkt am Gebäude wie erhöhte Lichtschächte oder Treppenabgänge seien zum Beispiel in Ordnung.
Bei der Fragerunde waren durch Laub oder Eis verstopfte Straßeneinläufe ein Thema. Der Bürgermeister antwortete, dass eine Firma zweimal im Jahr die rund 1.000 Straßeneinläufe der Gemeinde leert und reinigt. Falls dies an manchen Stellen nicht ausreichend sei, könnten sich die Bürger melden. Armin Binder riet zudem dringend davon ab, sich bei einer Überflutung selbst an Straßeneinläufen zu schaffen zu machen. Stattdessen solle man die Feuerwehr rufen. Ohnehin sei der Kanal in akuten Situationen meist schon voll.
Am Ende konnten die Bürger noch mit Armin Binder anhand von Überflutungskarten ihre individuellen Fragen besprechen. „Wir können nicht jedes Haus schützen, Eigenvorsorge ist gefragt“, betonte Bürgermeister Steffen Döttinger. Zudem seien die technischen Möglichkeiten begrenzt: „Starkregen haben wir nicht im Griff.“
Präsentation des Ingenieurbüros Winkler und Partner (PDF-Dokument, 11,4 MB, 19.03.2026)
Mehr zum Thema finden Sie hier auf der Webseite unter Starkregen.